St. Michan's Crypt in Dublin, Irland. Die Krypta mit den Mumien aus dem 17. bis 19. Jh.diente Bram Stoker möglicherweise als Vorbild für seine Beschreibung von Draculas Gruft in dessen fiktivem Schloss auf dem Borgopass. (Bild: Kurt Lussi)


Seminar in Mattsee bei Salzburg (AKTUALISIERT)

Dracula und der Vampirglaube in Südosteuropa

Ab 1725 häuften sich die Berichte österreichisch-ungarischer Regimentsfeldärzte, wonach im Grenzland zum Osmanischen Reich ganze Dörfer von blutsaugenden Toten heimgesucht würden. Ausgehend von diesen Berichten befassen wir uns mit der Vampirhysterie des 18. Jahrhunderts, den Gründen, die dazu führten sowie den Vorstellungen, wie man sich der blutsaugenden Toten zu erwehren hoffte. Weitere Themen dieses Nachmittags: Totenkult und Bestattungsbräuche. Unterlassene Rituale als eine der Ursachen des Vampirglaubens. Schutz vor Vampiren. Unterschied von Vampir und Werwolf. Abgrenzung zu verwandten Phänomenen. Verselbständigung des Vampirglaubens und Einzug des Vampirs in die englische Schauerliteratur des 19. Jahrhunderts. Am Abend Dinner mit Spezialitäten aus Bram Stokers Roman „Dracula“.
Wer mag ist eingeladen, dem Abend mit Kleidung im Stil der Gothic zusätzliche Akzente zu verleihen.

Seminar in Mattsee bei Salzburg (Seminarpension Sterntaler, https://www.sterntaler-mattsee.at/home/)

Datum: Samstag, 19. Oktober 2019 ab 14 Uhr. Dinner ab 19 Uhr.

Kosten: € 132.- (Seminar € 90.-; Dinner € 42.- inkl. Weindegustation, Kaffee und Pflaumenbrand).
Zum Dinner werden Gerichte serviert, die in Brams Stokers Roman "Dracula" erwähnt werden. Aus Kapazitätsgründen ist  keine vegetarische Variante möglich.
Platzzahl beschränkt. Das Seminar am Nachmittag kann auch ohne Dinner gebucht werden.

Anmeldung (einschliesslich Buchung der Unterkunft (soweit verfügbar) über:
https://www.sterntaler-mattsee.at/home/)

Literatur:
Mythisches, Magisches, Makabres. Das Leben, der Tod und die Welt der Geister, hrsg. von Christoph Lichtin, Historisches Museum Luzern. Zürich: Edition Voldemeer. Berlin/Boston: De Gruyter, 2019. 258 Seiten, 48 Abbildungen. ISBN 978-3110635706. Fr. 36.-


Schädel mit britischen Halfpennies aus der Zeit von George III. (um 1770). (Bild Kurt Lussi)


Eine englische Redewendung mit Wurzeln im Totenbrauch

He’d steal the pennies off a dead man’s eyes

Dies sagt man in angelsächsischen Ländern von skrupellosen Menschen, die um des persönlichen Vorteils willen über Leichen gehen würden. Ihre Wurzeln hat die Redewendung in der in vielen Kulturen verbreiteten Sitte, den Toten Münzen auf die Augen zu legen, damit die Lider geschlossen bleiben (Wislocki, 50). Der Grund dafür ist Angst. Sieht ein Lebender nämlich in die offenen Augen eines Verstorbenen, erkennt er darin seinen eigenen Tod.

Durch den Kontakt mit dem Toten galten diese Geldstücke als mit besonderer Kraft geladen. Sie gehörten jedoch dem Verstorbenen und mussten diesem zusammen mit anderen persönlichen Gegenständen mit ins Grab gegeben werden (Gander, 167). Missachtete man das ungeschriebene Gesetz, kehrte der Tote als Spukgestalt zu den Lebenden zurück. Dennoch wurden diese Geldstücke oft gestohlen und für Zauberzwecke verwendet. Diebstähle dieser Art waren jedoch nur etwas für hartgesottene Kerle, die weder den Tod noch den Teufel fürchteten.

Belege für diese Vorstellungen finden sich zuhauf. In Charleston im US-Bundesstaat South Carolina fand man bei Ausgrabungen Skelette mit Schädeln in deren Augenhöhlen Kupfermünzen aus der Zeit um 1700 bis 1750 lagen. Die durch diese und andere Funde belegte Sitte, den Verstorbenen Münzen auf die Augen zu legen, ist nicht in der Neuen Welt entstanden sondern von englischen Siedlern aus der Heimat mitgebracht worden. So wird in der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ in der Ausgabe vom 27. November 1858 der Fall eines scheintoten Mädchens beschrieben, dem man bereits die Augen geschlossen und auf die beiden Augenlider je eine Penny-Münze gelegt hatte (Hadwen et al.). Was nach dem Wiedererwachen der Scheintoten mit den Münzen geschah, ist nicht überliefert.

Literatur:

Gander, Karl: Niederlausitzer Volkssagen. Vornehmlich aus dem Stadt- und Landkreise Guben. Berlin 1894.
Hadwen, Walter, William Tebb, Edward Perry Vollum: Premature Burial. How it may be prevented. With special Reference to Trance, Catalepsy and other Forms of suspended Animation. London 1905.
Wlislocki, Heinrich von: Tod und Totenfetische im Volksglauben der Siebenbürger Sachsen, in: Friedrich S. Krauss (Hg.): Am Ur-Quell. Monatsschrift für Volkskunde. Band IV. Hamburg 1893.

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Begräbnisfeier in Rumänien während des Ersten Weltkriegs. Foto eines deutschen oder österreichischen Soldaten. (Bild Kurt Lussi)


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Publikation "Mythisches, Magisches, Makabres"

Beitrag von Tele1

Am Mittwoch, 2. Januar 2019, ist in den Nachrichten von Tele1 ein Beitrag zum neu erschienenen Buch "Mythisches, Magisches, Makabres" von Kurt Lussi ausgestrahlt worden. Die von Christoph Lichtin, Historisches Museum Luzern, herausgegebene Publikation erschien in der Edition Voldemeer. Berlin/Boston (De Gruyter, 2019. 258 Seiten, 48 Abbildungen. ISBN 978-3110635706. Fr. 36.-). Sie ist im Buchhandel oder direkt beim Historischen Museum Luzern erhältlich.

Link zum Beitrag von Tele1

Leichenfeier in Lăzarea, einem vorwiegend von ungarischen Szeklern bewohnten Dorf im Osten von Transsylvanien. Im Hintergrund der mit weissen Kreuzen bemalte (noch leere) Sarg, den vielleicht die beiden Männer links im Bild gebracht haben. In der Mitte und rechts Familienangehörige und Klageweiber, die im Auftrag der Angehörigen die traditionellen Klagelieder singen. 1918 datierte Fotografie eines deutschen oder österreichischen Soldaten. (Bis 1918 gehörte Transsylvanien zum Königreich Ungarn und damit zur österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie.) (Sammlung Kurt Lussi)


Leichenfeier in Lăzarea, Rumänien, 1918

Transsylvanisches Begräbnis

Im gesamten Balkanraum befolgt man bei der Bestattung eines Verstorbenen von der Tradition vorgeschriebene Regeln. Eine besondere Bedeutung hat die Waschung der Leiche. Sie dient nicht nur der Reinigung des Körpers, sondern man bezweckt damit auch die Sündentilgung: Mit Wasser und Seife sollten die am Körper noch anhaftenden Sünden abgewaschen werden. Danach zieht man dem Toten neue Kleider an, damit er auf seiner Wanderschaft ins Jenseits gerüstet ist und in sauberer Aufmachung vor den Allmächtigen treten kann.

Dem Toten gab man bis in die neueste Zeit Dinge mit ins Grab, die seine Wiederkehr als Vampir verhindern sollten. Dazu gehörten Münzen. Mit diesen entlohnte er den Fährmann, der ihn über den Totenfluss setzte, der das Diesseits vom Jenseits trennt. Als Wegzehrung für senen Gang ins Reich der Schatten legte man ihm an einigen Orten Brot, Obst, Käse und Fleisch in den Sarg (Busbeque, Jagodina, 1564), manchmal auch Wein und Schnaps.

Besonders wichtig waren die Klagelieder, die von eigens dafür engagierten Klageweibern gesungen wurden. Diese Frauen achteten streng darauf, dass ihre Trauerbezeugungen nicht ausuferten, denn man glaubte, eine übermässige Trauer würde die Sehnsucht des Toten nach den Lebenden wecken und damit seiner ewigen Ruhe im Wege stehen.

Damit der Tote nicht als unliebsamer Wiedergänger oder Vampir zu den Lebenden zurückkehrt, streut man ihm sicherheitshalber noch heute Mohnsamen in den Sarg. Mit dem Brauch verbindet sich der Glaube, wonach der Verstorbene erst die Samen zählen muss, bevor er als Untoter sein Grab verlassen und zu den Lebenden zurückkehren kann (was ihm vor der Morgendämmerung nie gelingt). Apotropäischen Charakter haben auf dem Bild aus Lăzarea vielleicht auch die auf dem Sarg aufgemalten weissen Kreuze. Sie sollten den Toten wohl am Verlassen des Grabes hindern. Einen möglichen Beleg dafür finden wir in einem aus der Krajina (Serbien) überlieferten Brauch: Um einem allfälligen Vampir den Zutritt zu Haus und Hof zu verwehren, malte man schwarze Pechkreuze auf die Eingangstüren.

Literatur:
Kreuter, Peter Mario: Der Vampirglaube in Südosteuropa: Studien zur Genese, Bedeutung und Funktion – Rumänien und der Balkanraum. Berlin: Weidler, 2001.
Schneeweis, Edmund: Serbokroatische Volkskunde. Berlin: de Gruyter, 1961.

 

Der Voodoo Spirit Baron Samedi als Skelett mit Top Hat und Brille. New Orleans Historic Voodoo Museum. Illustration aus "Mythisches, Magisches, Makabres". (Bild Kurt Lussi)


Neue Publikation

Mythisches, Magisches, Makabres. Das Leben, der Tod und die Welt der Geister

Der Glaube an Dämonen, Vampire und unruhige Totengeister, die in der unsichtbaren Welt zwischen dem Diesseits und dem Jenseits ihren Aufenthalt haben, bestimmt seit Jahrtausenden die Lebenswirklichkeit des Menschen. Davon zeugen die Riten und Gebräuche mit denen die Lebenden versuchen, die höheren Mächte zu beschwören und Unheil abzuwenden.

Die Existenz einer Bewusstseinsdimension zwischen dem Diesseits und dem Jenseits kann weder belegt, noch bestritten werden. Daraus entsteht Ungewissheit – und mit ihr die Angst des Menschen Gewalten ausgeliefert zu sein, gegen die er machtlos ist.

Über dreissig Jahre hat sich der Autor mit dem Tod und dem, was danach sein wird, auseinandergesetzt und seine Erfahrungen, Überlegungen und Erkenntnisse in zahlreichen Fachartikeln publiziert. Für dieses Buch wurde eine überarbeite und zum Teil erheblich erweiterte Auswahl zu einem neuen Ganzen zusammengefasst.

Inhalt

Mythisches

Das Geisterreich. Zwischen Diesseits und Jenseits
Seeschlangen, Meeresungeheuer. Sichtbar, fassbar, nicht erklärbar
Geister, Teufel, Tod. Ahnenglaube und Maskenlaufen

Magisches

In Ostafrika. Bei den Luo im Siaya County (Kenia)
Rote Erde. Rötel und Ziegelsteinmehl in der Volksmedizin
Louisiana Voodoo Hoodoo. Afrikanische Spirits, Katholizismus, europäischer Volksglaube
Voodoo-Praxis. Ein Reinigungsritual auf dem Saint Louis Cemetery No. 1
Kurantmünzen in der volksmagischen Apotheke

Makabres

An der Schwelle zum Jenseits. Die Reise der Seele
Scheintod und vorzeitige Beerdigung. Die Lady mit dem Ring
Der Vampir von Highgate. Draculas langer Schatten

Mythisches, Magisches, Makabres. Das Leben, der Tod und die Welt der Geister, hrsg. von Christoph Lichtin, Historisches Museum Luzern. Zürich: Edition Voldemeer. Berlin/Boston: De Gruyter, 2019. 258 Seiten, 48 Abbildungen. ISBN 978-3110635706. Fr. 36.-

 

Fragment einer Buchseite aus einem spätgotischen Ars moriendi. (Sammlung Kurt Lussi)


Neu im Download

Direkter Link zu den Fachartikeln von Kurt Lussi auf Zenodo

Immer häufiger werden wissenschaftliche Fachartikel online publiziert und gespeichert. Einer der bekanntesten Online-Speicherdienste ist Zenodo. Auf Zenodo werden hauptsächlich wissenschaftliche Publikationen, Berichte, Präsentationen und Videos hochgeladen und der Öffentlichkeit unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Finanziert wird der Dienst über die Europäische Kommission (EK).

Zenodo integriert den Repository-Dienst Git-Hub, um dort gespeicherte Quelltexte zitierfähig zu machen. Auch der zenodo-eigene Quelltext ist auf Git-Hub verfügbar. Die Webseite wird durch das OpenAIRE-Konsortium und das CERN betreut und gepflegt (zitiert nach Wikipedia).

Der Name Zenodo kommt von Zenodotos von Ephesos, dem ersten Leiter der großen Bibliothek von Alexandria, in der er den Grundstein für die größte antike Schriftensammlung legte.

Eine Zusammenstellung der auf Zenodo hochgeladenen Artikel von Kurt Lussi finden Sie über diesen Link mit direkter Downloadmöglichkeit.

 

Nächster Anlass:

Sa 19.10.19

Vampire und andere Wiedergänger (aktualisiert)